Reisebericht Nr.1 - Suedafrika, Johannersburg
Der erste Tag unserer langen Reise war wahrscheinlich schon der aufregendste, gefaehrlichste, spannendste und schoenste zugleich. Nach einer 7stuendigen, eher langweiligen Fahrt von Durban nach Johannesburg, kommen Joni (Ex-Freiwilliger von Streetwise, einem Shelter fuer Strassenkinder in Durban) und ich mitten in der Grossstadt an. So super verplant wir sind, haben wir natuerlich noch keine Unterkunft fuer die Nacht. Noch toller ist, dass keiner von uns beiden den Coast to Coast dabei hat (ein Buch, dass ueber viele einfache Backpackers/Jugendherbergen Auskunft gibt). Somit bleibt uns beiden nur noch drei Moeglichkeiten. Wir erkundigen uns an einem Touristen-Information nach der Nummer eines Backpackers, lassen uns kostenlos abholen und sind fuer ungefaehr 10 Euro auf der sicheren Seite. Doch jede Person, die wir fragten, meinte, dass es keine Touristen-Info gaebe. Zum Glueck hatten wir noch zwei Nummern. Die eine von John Philip, den ich bei Couchsurfing kennengelernt habe. Doch da er an dem Tag unserer Abreise nicht mehr geantwortet hat und seine Wohnung laut Beschreibung sehr weit ausserhalb von Joburg City liegt, entscheiden wir uns spontan Gcobisa anzurufen.
Gcobisa haben wir bereits zwei Mal in Durban getroffen. Sie war mit meiner besten suedafrikanischen Freundin Nqobile gut befreundet. Von Nqobile hatte ich auch ihre Nummer. Somit rufe ich sie an und frage sie, ob sie ein Backpackers in der Naehe der Busstation kenne. Super Froehlich antwortet sie mir und laed uns beide in ihre WG ein. Joah… ein Privat-Taxi dorthin kostet umgerechnet 50Euro. Niemals! Wir nehmen ein Minibustaxi!
Das war ganz schoen lebensmuede von uns beiden. Denn erstens sind wir beide durch unsere Hautfarbe unglaublich auffaellig, zweitens haben wir zwei riesige Rucksaecke und alles weitere, was wir auf unserer Reise benoetigen bei uns, und drittens sind wir beide noch nie in Joburg gewesen. Gcobisa schickt uns die Adresse per SMS, sagt jedoch, dass wir hoellisch aufpassen muessen. Joburg ist etwas anderes als Durban! Hier wirst du auf der Strasse in aller Oeffentlichkeit ausgeraubt!!!
Joni und ich schmunzeln nur, belaecheln unsere eigene Unvorsicht und die Angst der Afrikaner, die hier in dem Land leben und immer wieder das Gleiche zu uns sagen. Uns ist aber nicht bewusst in was fuer ein Abenteuer wir uns da gerade stuerzen.
Wir kaufen uns jeweils einen Apfel auf der Strasse und fragen den Verkaeufer wo die Taxis zur Morningside abfahren. Er schreit unsere Frage ueber den ganzen Platz zu einem Kollegen, der kommt und uns freundlich den Weg erklaert, den ich sofort wieder vergesse. Am Ende weiss ich nur noch die ungefaehre Himmelrichtung. Wir laufen los… in den Tod.
Nach einer Minute steht ploetzlich wieder der junge Mann neben uns, der uns den Weg erklaert hat. Er will uns begleiten, weil uns sofort jemand gefolgt ist…
Themba heisst unser Lebensretter. Er wohnt in Soweto, einem riesigen Township nahe Joburg City. Wir laufen mitten durch die Stadt, sind die einzigen Weissen und haben riesige Rucksaecke auf unseren Ruecken. Endlich sind wir an der Taxirank angekommen, doch dann sagt Themba: “Scheisse, wir sind an der falschen Rank. Wir haetten in die andere Richtung gemusst!”
Somit muessen wir den ganzen Weg wieder zurueck und die schweren Ruecksaecke fangen langsam an zu schmerzen. Wir werden immer nervoeser, denn je laenger wir uns in der gefaehrlichen Innenstadt aufhalten, desto gefaehrlicher ist es fuer uns. Ploetzlich zucken wir Drei zusammen: Genau einen Meter vor uns wird ein wird ein Mann durch eine Rangelei aus einer Tuere gestossen und faellt zu Boden. Wir stehen wie gelaehmt auf dem Bordstein, waehrend sich die Maenner laut anschreien. In einem hohen Bogen gehen wir an den beiden vorbei. Themba erzaehlt uns, dass auch er Angst in dieser Stadt hat und schon drei Mal ausgeraubt worden ist. Langsam bekommen wir etwas Schiss…
Endlich sind wir da. Themba verabschiedet sich und wir danken ihm mit einem coolen Handshake. Ich hatte die ganze Zeit ueberlegt wie viel Geld ich ihm geben soll. Doch Themba wollte uns einfach nur helfen. Ein Taxi faehrt vor: “Geht das zur Morningside?” “Nein. Da muesst ihr weiter ueber die Kreuzung.” Auch das noch! Ich frage einen Mann, der von hinten recht sypmatisch aussieht. Als er sich umdreht, stiert sein linkes Auge in die entgegengesetzte Richtung des rechten und der Mann schaut mich furchtbar boese an. Schnell gehen wir weiter.
Wir uerberkreuzen die Strasse und stehen endlich an der richtigen Stelle. Doch: An einer riesigen Kreuzung mitten in der Innenstadt! Es waere so leicht gewesen uns auszurauben… wir warten und warten. Doch das Taxi will und will einfach nicht kommen. Irgendwann sagt Joni zu mir: “Lass uns lieber wieder zurueck zur Busstation gehen.” Jetzt waren wir schon so weit. “Sollen wir nicht noch 5 Minuten warten?”
Nach etwa 10 Minuten fragt mich Joni noch einmal. Die Sonne geht langsam unter und es wird immer spaeter und die Warteschlange fuer unser Taxi wird immer laenger. Problem: Wir standen gar nicht in der Warteschlange, sondern haben uns einfach hinter die ersten drei Passagiere gestellt. Am Anfang standen hier nur vereinzelte Leute. Doch inzwischen haben sich etwa 30 Personen brav in eine Schlange gestellt. Hoffentlich gibt das keinen Aerger falls ein Taxi kommen sollte…
Wir werden immer angespannter und werfen uns nervoese Blicke zu. Endlich kommt ein Taxi und waehrend sich die ersten Leute nach hinten quetschen, springe ich sofort nach vorne neben den Fahrer. Er will meinen Rucksack nach hinten verstauen. “Och noe… das passt schon so!”, sage ich und habe grosse Angst, dass mein Rucksack in das Nachbarauto oder sonst wohin wandert. Genervt sagt der Fahrer: “Nein, das passt nicht so! Ich kann doch so ueberhaupt nicht in die Spiegel gucken!”
Oh man! Ihr koennt euch nicht vorstellen, wie gluecklich ich an diesem Abend war, noch am leben zu sein. Die Anspannung von diesem Tag verfliegt rasend schnell, als uns Gcobisa und ihre Freundin (tatsaechlich traegt sie meinen Namen!) Andile von dem Busstop abholen und wir danach drei wundervolle Abende in ihrer WG verbringen.

Von links – Gcobisa, Joni, Andile, Andile