Presse

Ein Artikel von Sara Ebertz, erschienen am 12.12.2008 in der WZ:

Auf Zulu heißt er „Andile“

von Sara Ebertz

Seit vier Monaten ist Andreas Rieger in Südafrika. Als Zivi betreut der 19-Jährige behinderte Kinder in einer Schule. Das Leben in seiner neuen Heimat ist anders und aufregend.

Der 19-jährige Oppumer Andreas Rieger absolviert seit vier Monaten seinen Zivildienst in Südafrika. (Foto: privat)

Krefeld. Der Regen prasselt auf das Wellblech-Dach der kleinen Hütte im südafrikanischen Harding. Andreas Rieger liegt dick eingemummelt in seinem blauen Daunen-Schlafsack und lauscht dem Trommeln, das die Tropfen auf dem Dach seines neuen Zuhauses erzeugen. „Mein Herz hat gerast, als uns die Kinder vorgestellt wurden. Ich fühlte mich wie vor der mündlichen Abiturprüfung“, schreibt der 19-Jährige in seinem ersten Erfahrungsbericht, den er Freunden und Familie aus seiner neuen Heimat schickt.

Vor vier Monaten hat der Oppumer Abiturient seinen Zivildienst in einer Schule für behinderte Kinder aufgenommen. Als Tourist war er schon oft auf dem „schwarzen Kontinent“ unterwegs. Und jetzt soll er hier leben und arbeiten? „Doch es fühlte sich sofort wunderbar an, auf dem Schulgelände von 20 Kindern umringt zu werden.

Organisation „Anderer Dienst im Ausland“ (Adia) heißt das Zivi-Programm der Trägerorganisation „Weltweite Initiative für Soziales Engagement“, die in 26 verschiedenen Ländern wirkt.

Projekt Andreas Rieger lässt alle Interessierten an seinen Erlebnissen in der Fremde teilhaben. Dafür hat er im Internet eine eigene Seite eingerichtet.

Mit strahlenden Gesichtern fragten sie mich nach meinem Namen und Alter, wo ich herkomme und ob ich Fußball möge. Ich hatte noch nie in meinem Leben so viele Schreie nach Aufmerksamkeit erlebt. Nach meinem ersten Schultag war ich mir sicher: Hier bin ich richtig!“

Von den Oppumern hat er sich mit einem Benefizkonzert verabschiedet

Für einen so herzlichen Start in das Freiwilligen-Jahr hat sich der Aufwand im Vorfeld sicher gelohnt. Um die 12 000 Euro für den Auslandseinsatz über die Organisation „Weltweite Initiative“, zusammen zu bekommen, hatte Andreas unter anderem ein Benefizkonzert in der Oppumer Auferstehungskirche organisiert. „Unglaubliche 2030 Euro sind dabei zusammen gekommen“, freute sich der junge Mann über das Geschenk, das ihm die Krefelder zum Abschied bereitet haben.

Nach ein paar Heimweh-Attacken und dem ersten Kulturschock ist Andile – so haben ihn die Kinder in der Bantusprache Zulu getauft – inzwischen angekommen in Südafrika. Er veranstaltet Workshops, Kartenspiel-Nachmittage, Rollstuhl-Basketball- und Fußball-Turniere für die Schulkinder, die entweder das Down-Syndrom oder körperliche Behinderungen haben wie zu kurze Arme und Beine oder verformte Händen und Füße. Aber vor allem singt und musiziert er mit ihnen – was ihm selbst sicher am meisten Spaß bereitet.

Heiß begehrt ist seine Melodika. Die Nachbarskinder tröten unheimlich gern auf dem Instrument herum, das er aus Deutschland mitgebracht hat. „Das machen sie genauso ungefragt wie sie in unsere Hütte spazieren, sich an meinen Bonbons bedienen oder mein leckeres Maquinia-Gebäck in vier ungleich große Stücke zerreißen und mir das kleinste davon übrig lassen“, schreibt Andreas im Online-Tagebuch.

„Wenn ich mich an mein wirkliches Zuhause erinnere, fällt mir auf, wie gut ich es in meiner Heimat habe.“

Andreas Rieger

So lernen Freunde und Familie auch seine spartanische Unterkunft kennen, in der warmes Wasser Luxus ist. Die Hütte teilt Andreas mit seiner Mitbewohnerin Bengisu, zwei kaputten Fahrrädern und ein paar haarigen Spinnen. „Wenn ich mich an mein wirkliches Zuhause erinnere, fällt mir auf, wie gut ich es doch in meiner Heimat habe.

Und ich stelle in erschreckender Weise fest, wie wenig man braucht, um glücklich zu sein“, sagt er und denkt dabei vielleicht auch ganz kurz auch an seine Kamera, die die Kinder „geschrottet“ haben, und sein Handy, das den Geist aufgegeben hat.

Den Kontakt nach Deutschland hält er über das Internet. Doch auch das ist bei den schlechten Telefonverbindungen auf dem Land eine echte Geduldsprobe. Umso mehr wird er sich freuen, dass ihn seine Familie zu Weihnachten besuchen wird. Überraschen wird er sie mit einer neuen Frisur: für 80 Cent, auf einem Plastikstuhl an der Straße geschnitten – ein weiteres afrikanisches Abenteuer für den jungen Oppumer.

12.12.2008
Von Sara Ebertz

Hier noch einmal der Link für das “Orginale”:

http://www.wz-newsline.de/?redid=378041

Ein Artikel von Sara Ebertz, erschienen am 20.02.2008 in der WZ:

Krefelder Zivi hilft in Südafrika

Engagement: Andreas Rieger bereitet sich auf den Job in seinem Traumland vor. Der 19-Jährige wird behinderte Kinder betreuen und fördern.

In vielen Afrika-Urlauben – hier in der Kalahari-Wüste an der Grenze zu Südafrika – hat Andreas Rieger (links, im Hintergrund seine ältere Schwester Anna) seine Verbundenheit zum afrikanischen Kontinent entdeckt. Angst vor Heimweh hat er nicht. „Das Fernweh nach Afrika ist größer“, sagt der 19-Jährige. (Foto: privat)

Krefeld. Krankenbetten durchs Klinikum schieben, den Chor eines Altenheims leiten oder Mittagessen für Krefelder Senioren ausfahren: Auch so könnte der Zivildienst von Andreas Rieger aussehen. Den Wehrersatzdienst will der 19-jährige Krefelder aber lieber in seinem Traumland verbringen: Südafrika. Nach dem Abitur am Fabritianum wird er im Sommer seinen Koffer packen, um sich zehn Monate lang um 150 behinderte Kinder in einem Heim in der südafrikanischen Kleinstadt Harding zu kümmern.

„Ich war schon oft als Tourist auf dem afrikanischen Kontinent unterwegs“, erzählt der Schüler von Familien-Urlauben, die ihn sehr beeindruckt haben. So sehr, dass „ich jetzt mal länger dort sein und helfen möchte, wo meine Hilfe wirklich gebraucht wird.“ Ob er weiß, wo seine neue Heimat genau liegt? „Klar“, kommt ihm seine Mutter Almuth Rieger zuvor.
Die Landkarte hat sie griffbereit, das Engagement ihres Sohnes findet sie wunderbar. „Mich beruhigt, dass die Organisation so ein dichtes Netzwerk pflegt und auch die Eltern dahinter stehen müssen.“ So weit weg von zu Hause und gleich so lange Zeit: Der Südafrika-Aufenthalt ist für Almuth und Gerd Rieger mindestens so aufregend wie für den jungen Zivi selbst.

Durch ein Benefizkonzert will er Geld für die Arbeit in Südafrika sammeln

Bis zum Abflugtag im August hat der aber noch eine Menge Arbeit vor sich. Nicht nur das Abi will bestanden sein („Ich bin aber nicht schlecht in der Schule, ich mache mir keinen Stress“), auch die Finanzierung des Projektes muss er noch sicher stellen. 12 000 Euro braucht er für den Einsatz, 6000 davon zahlt die Organisation. „Den Rest muss ich beschaffen“ – durch Spenden im Freundes- und Familienkreis. Keine leichte Sache in Anbetracht der derzeitigen Spenden-Affären. „Und betteln ist meine Sache auch nicht.“ Deshalb plant Andreas Rieger ein Benefizkonzert, das er mit Anderen im Juni in der Auferstehungskirche geben möchte.

Seine musikalischen und kreativen Fähigkeiten haben ihn letztlich auch für den Job qualifiziert. So wird er die Kinder mit körperlichen oder geistigen Behinderungen nicht nur im Alltag begleiten, ihnen beim Zähneputzen oder Anziehen helfen, mit ihnen Sport treiben, Kuchen backen und jonglieren. „Ich will vor allem mit ihnen singen, trommeln und Songs schreiben“, sagt Rieger, der Schlagzeuger in seiner Band „Last Confessional“ ist und auch sonst eine Reihe an Instrumenten beherrscht. Über die Idee und seine Vorbereitungen hat er einen Hip-Hop-Song geschrieben und ihn selbst auf Klavier, Gitarre und Marimba eingespielt. Mit Musik kann er seine Vorfreude am besten ausdrücken.

Zivildienst im Ausland

Organisation: „Anderer Dienst im Ausland“ (Adia) heißt das Zivi-Programm der Trägerorganisation „Weltweite Initiative für Soziales Engagement“, die in 26 verschiedenen Ländern wirkt.

Projekt: Der Auslandseinsatz kostet 12 000 Euro; die Hälfte muss Andreas Rieger durch Spenden sammeln. Wer dabei helfen oder an den Erlebnissen teilhaben will, kann mailen (rieger5@web.de) oder sich im Internet informieren:


20.02.2008
Von Sara Ebertz

Hier noch einmal der Link für das “Orginale”:

http://www.wz-newsline.de/?redid=198083

Antworten

  1. Hey Andi!
    Dein Artikel im Gemeindebrief ist – neben dem Zeitungsartikel hier – auch sehr gelungen! Ich habe ihn heute gelesen.
    Stell ihn doch auch auf diese Seite!

    Liebe Grüße,

    Flo


Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Log Out / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Log Out / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Log Out / Ändern )

Verbinde mit %s

Follow

Bekomme jeden neuen Artikel in deinen Posteingang.